Heute moechte ich euch ein wenig ueber meine Reise in eine Region Ecuadors berichten, die "El Oriente" genannt wird. Unter diesem Begriff versteht man hier den ecuadorianischen Teil des Amazonasgebiets. Mitte Oktober habe ich zusammen mit drei anderen Freiwilligen fuenf Tage mitten im Urwald gelebt!
Die Anreise war langwierig: 8 Stunden im Reisebus bis Lago Agrio, 3 weitere Stunden im Kleinbus auf unbefestigter, holpriger Strasse und schliesslich 2 Stunden im Motorkanu bis wir das Lager erreicht hatten... Aber es hat sich gelohnt! Die Natur im primaeren Regenwald ist fantastisch. Ueberall ist es gruen und der Urwald ist ziemlich dicht. Die biologische Artenvielfalt ist einfach enorm!
Die ganze Zeit ueber wurden wir von einem eglischsprachigen Fuehrer begleitet. Die meiste Zeit haben wir Wanderungen durch den Dschungel gemacht; auf der Suche nach Tieren. Viel Zeit haben wir aber auch im motorisierten Kanu zugebracht.
Die meisten Tiere, die wir zu Gesicht bekommen haben, waren Voegel. Papageien mit vielen verschiedenen Gefiederfarben, Tukane und viele weitere Voegel konnten wir beobachten und durch das Teleskop fotografieren. Wir hatten sogar das Glueck, den relativ seltenen blau-roten Papageien zu sehen! Natuerlich sind wir bei den Wanderungen auch auf Affengruppen gestossen, die wie wild in den Baeumen umherturnten. Auch der kleinsten Affenart der Welt sind wir begegnet.
Andere Tiere waren ein Regenfrosch, ein giftiger roter Pfeilfrosch, eine Echse und natuerlich Kakerlaken, die Abends im Expeditionslager ueberall aufzufinden waren. Abegesehen von diesen kleinen Besuchern, war die Unterkunft einfach aber in Ordnung. Wir wohnten in Holzhaeusern mit Strohdaechern. Das Essen war gut und relativ international. Im Lager gab es keine Elektrizitaet, sodass man abends auf das Licht von Kerzen angewiesen war. Auch das Handy hatte in dieser entlegenen Region keinen Empfang... Einige Male haben wir auch im Lager Insekten entdeckt, wie z.B. eine Tarantel auf dem Dach oder ein als Ast getarnter Kaefer.
Das Klima im Urwald ist sehr feucht und heiss. Bei Wanderungen durch den Dschugel steht einem staendig der Schweiss auf der Stirn. Und sind Anziehsachen einmal nass geworden, ist es schwierig, sie wieder zu trocknen...
Vor allem waehrend der Nachtwanderung hat man viele Insekten bestaunen koennen. So haben wir zum Beispiel eine Tarantel (Vogelspinne) aus naechster Naehe gesehen oder auch andere seltsame Spinnentiere... Die Insekten im Allgemeinen sind wesentlich groesser im Regenwald als anderswo. Die Grillen, die zum "Sound" des Urwalds massgeblich beitragen, sind von immenser Groesse. Auch einige Ameisenarten sind wesentlich groesser als "europaeische" Ameisen. Nichtsdestotrotz gibt es auch kleinere Ameisen, wie z.B. die "Limonenameise". Diese kann man vom Baum schlecken und verspeisen. Ihr Zitronenaroma ist nicht schlecht!!! :-)
Vom Boot aus konnten wir Schlangen sehen. Zum Beispiel haben wir eine gruene Boa, die gerade zwei Voegel zur Strecke gebracht hatte und mit dem Verdauen des ersten Tieres beschaeftigt war, erspaehen koennen. Aber auch einer Sieben-Meter-Anakonda sind wir am letzten Tag begegnet.
Weiterhin sahen wir den rosafarbenen Flussdelfin, der nur im Amazonasgebiet vorkommt. Abends konnte man vom Kanu aus leicht Kaimane aufspueren, deren Augen im Licht der Taschenlampe rot leuchten.
Einmal sind wir auch Piranha-Fischen gegangen. Allerdings nurzu Anschauungszwecken nicht zum Essen. Es gibt verschiedene Piranha Arten, wobei der weisse Piranha am gefaehrlichsten ist. Die Zaehne sehen auch echt scharf aus!!!
Herrlich war es auch, waehrend des Sonnenuntergangs ueber den Baumwipfeln des Regenwaldes in der grossen Lagune schwimmen zu gehen. Auch im Fluss konnte man schwimmen, allerdings gab es dort eine gewisse Stroemung. Den Schlangen und Kaimanen sind wir zumindest beim Schwimmen in denGewaessern nicht begegnet... :-)
Auch einen Ausflug zum Schamanen einer Indianergemeinde gehoerte zum Programm. Dort hat uns unser Fuhrer zunaechst in die Geheimnisse einiger Heilpflanzen eingefuehrt und dann haben wir den Schamanen getroffen, der uns ein wenig ueber seinen Werdegang erzaehlt hat. Um Schamane zu werden, wurde er von seinem Grossvater unterrichtet. Als dieser starb suchte er ein Jahr lang einen anderen Schamanen als Mentor. 25 Jahre lang hat er einen schwach halluzinogenen Trank (Wirkungsdauer: 1Std.) zum Studium von Pflanzen, Tieren und der Welt getrunken. Nach dieser Phase war er bereit fuer die Pruefung zum Schamanen. Diese besteht darin, ein starkes Halluzinogen (Wirkungsdauer: 24 Std.) zu sich zu nehmen. Dieses dient dau, Sonne, Mond und Sterne zu studieren. Aufgrund seiner Staerke erfordert dieser Trank eine starke Selbstdisziplin und nicht jeder ist faehig, ihn zu trinken.
Mit Hilfe des schwaecheren Trankes kann der Schaman von nun an die Krankheiten seiner Patienten bestimmen. Nach der Einnahme des Trankes sieht er anhand der Farbe des PAtienten die Art seiner Erkrankung: Gelb steht fuer Malaria, schwarz ist eine Krankheit des Gehirns und rot eine Infektion des Blutes. Aus seinem Wissensschatz von ueber 500 Heilpflanzen kann er dann die passende Substanz auswaehlen.
Der primaere Regenwald ist die gruene Lunge unseres Planeten und zugleich ein unheimlich beeindruckendes Oekosystem, das es um jeden Preis zu schuetzen gilt!
Zum Abschluss noch ein paar Fotos:
Ich hoffe, ihr konntet einen kleinen Eindruck vom Oriente gewinnen.
Herzliche Gruesse aus Ecuador,
Euer Johannes